Milonga Review
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20 Dec 2024
Wenn ich an Mittwoch Abenden tanzen gehe, dann gehe ich öfters ins „El Rodriguez“, eine
traditionelle Milonga im Stadtteil Villa Crespo (also etwas entfernt sowohl vom Zentrum als auch von Palermo), die von 21.00 bis 2.00 in einem der zahlreichen Stadtteilclubs stattfindet. Sie bietet eine gute Möglichkeit, sich in einem traditionellen Ambiente einzuschwingen in einen Abend, der bei mir häufig seine Fortsetzung im ‚Tango-Nachtclub‘ La Viruta findet, wo Mittwochs ab 24.00 Uhr (de facto eher ab 1.00 oder sogar 2.00) eine der angesagten Milongas des Clubs stattfindet, die sich bis in den frühen Morgen erstreckt. Während man in der Viruta in den Mittwochnächten vorwiegend ein jüngeres Publikum mit vielen guten Tänzern findet (locals wie auch Touristen aus aller Welt, darunter viele Profis), tanzt im El Rodriguez eher die ältere Generation, sowohl aus dem Stadtteil als auch aus anderen Teilen der Stadt. Das Verhältnis porteños : Touristen dürfte eher bei 80 : 20 liegen, während es in der Viruta in der Hochsaison im Sommer eher bei 50 : 50 liegt.
Im Unterschied zur Viruta mit ihrem gedämpften violetten Licht ist das El Rodriguez eher grell beleuchtet durch Neonröhren an der Decke, und der Raum versprüht auch sonst kein sehr romantisches Ambiente: Die linke Hälfte des Saales ist meist mit Matten bedeckt, dort werden tagsüber asiatische Kampfkünste gelehrt. Der größere Teil des Saales (im 1. OG) dient aber dem Tanz: die Tanzfläche (auf gut tanzbarem Steinboden) ist geräumig und bietet vielen Paaren Raum, darum herum stehen auf allen vier Seiten zwei Reihen Tische, an der Tanzfläche und an der Wand, und dazwischen können die Tänzer flanieren und nach neuen Partnerinnen Ausschau halten – denn hier gelten selbstverständlich die traditionellen codigos. Die räumliche Anordnung ist also für eine Milonga ziemlich ideal, ich hätte nur einen Verbesserungsvorschlag: Aus irgendeinem mir nicht bekannten Grund platziert die Gastgeberin die meisten Herren auf der linken Seite der Tanzfläche, die meisten Damen auf der rechten Seite. Bei der Größe der Tanzfläche ist es aber schwierig mit einem cabeceo einzuladen, erst recht, wenn die Tanzfläche sich nach den kurzen cortinas wieder füllt. Bei der auch hier zu beobachtenden Tendenz, dass während der Hauptsaison in den (argentinischen) Sommermonaten mehr Frauen als Männer anwesend sind (allerdings bei weitem nicht so krass wie in anderen Milongas), kommen auf diese Weise längst nicht alle Frauen zum Zuge. Ich würde darum empfehlen, dass auch hier (wie im Club Gricel oder im Sueño Porteño) darauf geachtet wird, dass Frauen und Männer konsequent abwechselnd an den Tischen platziert werden.
Die Gastgeberin, Marta Famá, ist eine eindrucksvolle Erscheinung, die ihre dichten grauen Haare meist offen trägt. Sie ist eine begeisterte milonguera, die selbst Unterricht gibt und die man auch oft in anderen (traditionellen) Milongas treffen kann. Marta führt ein freundliches, aber strenges Regiment: Sie mag es gar nicht, wenn man erst nach 22 Uhr eintrifft oder wenn man nicht reserviert hat: ersteres sollte man vermeiden und zweites sollte man unbedingt tun, zumal die Milonga in der Hochsaison meist rappelvoll ist. Das Publikum besteht eher aus Tänzern der Generationen 50+ und 60+, darunter viele Stammgäste, die dieser Milonga die Treue halten. Viele der hier anzutreffenden porteños wie auch Touristen tanzen auf einem mittleren bis fortgeschrittenen Niveau, die rondas auf der Tanzfläche werden respektiert, es gibt selten Rempeleien. Man kann im El Rodriguez auch Unterricht nehmen, und Marta achtet darauf, dass die codigos respektiert werden und das Tanzniveau stimmt. Wer mit ihr auf Facebook verbunden ist, wird bemerken, dass sie immer wieder in den FB-Stories kleine Videos veröffentlicht, die „Perlitas de la Pista“ zeigen: gefilmt werden nur die Beine und Füße der tanzenden Paare, die anmutige Schritte setzen, so dass deren Anonymität gewahrt bleibt und doch die Eleganz des Tanzes zum Vorschein kommt. Eine sehr nette Idee, wie ich finde!
Die meisten der anwesenden Herren sind tanzfreudig und fordern die Damen auf; da es viel Stammpublikum gibt, kennen sich natürlich viele Tänzerinnen und Tänzer und für ‚Außenstehende‘ ist es nicht immer ganz leicht, ins Spiel zu kommen. Aber wie es für traditionelle Milongas üblich ist, wird die Tanzfläche von den meisten aufmerksam beobachtet, und wenn man sich als gute Tänzerin oder guter Tänzer ausweist, darf Frau mit weiteren Einladungen rechnen (und Mann damit, dass seine Einladungen akzeptiert werden). Die Musik ist traditionell und durchweg schön, die Tandas sind gut tanzbar; es gibt auch hier wie in vielen Milongas im Laufe des Abends mehrere Tandas mit anderer Musik: Rock’n Roll, Chacarera und Zamba, aber auch Cumbia u.a. sind beliebt. Die Preise sind moderat (Eintritt im Februar 2026: 8.000 Pesos, ca. 5 Euro, auch Empanadas und Getränke sind günstig); man / frau darf sich also auf einen schönen Tanzabend freuen.
Marta Famá
+54 9 11 2308-2819
Milonga Details
Event Type
Traditional Milonga
Category PIA
IA
Accessibility
**
Age Group
50+
Start time
9:00 pm
Duration
5 hours
Milonga Location
Gral. Manuel A. Rodríguez 1191, C1416CMA Cdad. Autónoma de Buenos Aires, Argentina



