Milonga Review
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15 Feb 2026
Vor fast zwei Jahren, im März 2024, hatte ich zum ersten Mal über die sehr schöne Open-Air-Milonga „Los Sensibleros“ berichtet: Seitdem bin ich mehrfach dort gewesen, in dieser Saison hatte ich es aber noch nicht geschafft. Nun also war ich gestern Abend einmal wieder dort und nutze die Gelegenheit zu einem Update – vieles ändert sich ja bekanntlich in der dynamischen Tangoszene von Buenos Aires, darum gilt es immer wieder zu überprüfen, was man früher einmal geschrieben hat. Kurzum: Für Los Sensibleros kann ich berichten, dass die Milonga nach wie vor sehr beliebt und gut besucht ist, dort hat sich nach meinem Eindruck nichts geändert, darum werde ich meinen Bericht vom März 2024 (leicht aktualisiert) hier noch einmal zugänglich machen:
Ich bin im Prinzip keine Freundin von open-air-Milongas, denn es fehlt dort in der Regel an allem Komfort, den wir in gepflegten indoor-Milongas genießen können: Guter (Holz-)Tanzboden, Sitzplätze, Getränke- (und Essens-)Service, Toiletten, Aircondition und geschützte Räumlichkeiten gegen Wind und Wetter. Aber in der Corona-Pandemie haben sich manche Dinge verändert, die indoor-Milongas waren im Lockdown geschlossen und die Tänzer in Buenos Aires (und anderswo auf der Welt) haben sich neue Räume zum Tangotanzen erschlossen, oft im Freien. Etliche von diesen spontan entstandenen outdoor-Milongas waren so erfolgreich, dass sie auch nach der Pandemie weiter existieren, und die beliebteste unter ihnen in Buenos Aires ist wohl „Los Sensibleros“ im Parque de la Estación in Balvanera, die jeden Sonntag von 20.30 bis 0.30 Uhr stattfindet (Adresse: General Perón 3326).
Mir war diese Milonga bereits von verschiedenen Tänzerinnen empfohlen worden, und an einem Sonntag im März 2024 haben einige Freundinnen und ich das schöne Spätsommerwetter genutzt und „Los Sensibleros“ erkundet. Wir waren auf eine open-air-Milonga eingestellt – mit bequemen Trainingsschuhen und einer Gürteltasche für die Wertsachen, mit Getränken, einer Sitzunterlage und einer Jacke – und wir waren rundum positiv überrascht!
Die Milonga findet in einer Art Ruine statt, deren noch bestehende Rückwand mit eindrucksvoller Graffiti in wechselnden Farben ausgeleuchtet wird. Der Betonboden der Tanzfläche ist teilweise stumpf, teilweise bereits glatt getanzt, also durchaus gewöhnungsbedürftig: Es ist nicht zu empfehlen, hier mit Highheels zu tanzen, in meinen bequemen Trainingssneakers war ich bestens gerüstet. Die Musik ist überwiegend traditionell und gut tanzbar, manchmal etwas zu leise, vielleicht aus Rücksicht auf die Anwohner? Das Organisationsteam der „Los Sensibleros“ macht einen ausgesprochen freundlichen Eindruck; ich wurde vom DJ sehr nett begrüßt und willkommen geheißen und von einem anderen Helfer etwas später zur ersten Tanda aufgefordert. In der Mitte des Abends gibt es eine Musikpause und die Veranstalter gehen mit einem Hut herum und sammeln die Beiträge auf Spendenbasis („a la gorra“) ein: Hier kann also jede*r geben, so viel er oder sie möchte und kann.
Vor der Tanzfläche erstreckt sich eine recht große Rasenfläche, die durch Steinstufen gegliedert ist und wie in einem Amphitheater leicht ansteigt, so dass man auch von weit oben noch einen Blick auf die Tanzfläche („die Bühne“) hat. Die zahlreichen Besucher der Milonga lagern in lockeren Gruppierungen auf den Steinstufen oder den Rasenflächen, man unterhält sich, trinkt seinen Mate oder Wein oder macht ein Picknick.
Wer tanzen möchte, begibt sich nach vorn zur Tanzfläche und lädt jemanden ein oder lässt sich einladen. Die Atmosphäre auf dieser Milonga ist locker und freundlich: Die Besucher kommen aus allen Altersgruppen und repräsentieren auch so ziemlich alle Tanzniveaus, von Anfängern bis weit Fortgeschrittenen – offenbar sind hier alle willkommen! Mir hat besonders gut gefallen, dass die ‚mittlere Generation‘ (sagen wir: der Vierzig- bis Sechzigjährigen) hier zahlreich vertreten ist, die man in vielen etablierten Milongas vermisst: Dort findet man entweder vor allem die ältere Generation (zwischen 60 und 80) oder die Jungen (20 bis 40), die dann oft eher unter sich bleiben (zum Beispiel bei manchen Milongas im „El Zorzal“). Bei den „Sensibleros“ mischen sich dagegen die Altersgruppen, und es gelingt relativ unkompliziert ans Tanzen zu kommen (oder ins Gespräch, wenn man im Spanischen einigermaßen fit ist). Diese Milonga ist offenbar auch bei Profis beliebt; ich sah etliche Veranstalter von Milongas und einige mir bekannte Taxidancer: Man geht hier gern hin und genießt die entspannte Atmosphäre und einige Tandas – und wer am Ende des Abends um 0.30 Uhr noch nicht genug getanzt hat, kann ja problemlos weiterziehen in die „Viruta“!
Fazit: Ich kann diese Milonga ohne jede Einschränkung empfehlen, wenn man sich auf einen nicht idealen Betonboden einstellen mag! Weniger empfehlenswert finde ich dagegen mittlerweile die Sonntagsmilonga auf der Plaza Dorrego (“Milonga Placita del pañuelo Blanco“ von 20 bis 23 Uhr von Pedro Benavente, El Indio): Früher bin ich gerne hingegangen und man traf dort oft gute Tänzer aus aller Welt. In letzter Zeit aber tummeln sich hier meist nur einige Anwohner aus dem Viertel (San Telmo) und viele Touristen, die nicht oder kaum tanzen können. Die Showeinlagen von El Indio und seiner Partnerin Marisol sind seit Jahren dieselben, der Tanzboden aus kleinen Fliesen (nicht mehr von Linoleum abgedeckt wie früher) ist schwierig zum Tanzen, und die Lifemusik, die man gelegentlich dort hört, ist nicht immer ein Genuss für die Ohren. Es ist also vermutlich kein Zufall, dass viele gute Tänzer und Tänzerinnen es vorziehen, zu den „Sensibleros“ zu gehen.
Los Sensibleros (Team)
+54 9 11 3694-2052
Milonga Details
Event Type
Open Air Milonga
Category PIA
PIA
Accessibility
***
Age Group
20 - 60
Start time
8:30 pm
Duration
4 hours
Milonga Location
Tte. Gral. Juan Domingo Perón 3326, C1613 Cdad. Autónoma de Buenos Aires, Argentina



