Milonga Review
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16 Mar 2026
Das letzte Mal habe ich im Februar 2022 von der Milonga „Parakultural“ berichtet: Das war kurz nach der Pandemie, und diese für Jahrzehnte berühmteste Milonga der Stadt fand noch im wunderschönen alten Salón Canning statt, mit der legendären Fotomontage von Monteleone an der Stirnseite des Saales. (Siehe ein Foto des alten Salón Canning in der Fotogalerie.) Über viele Jahre hat die Milonga von Omar Viola an drei Abenden der Woche stattgefunden: am Montag, Dienstag und Freitag von 22.30 Uhr bis 4 Uhr – und je später der Abend, desto mehr junge Leute und ausgezeichnete Tänzer kamen und machten die Nacht zum Tage. Nach der Zwangspause in der Pandemie schien es wie gewohnt weiterzugehen. Aber dann schloss der Salón Canning plötzlich seine Pforten für die Tangoszene, die berühmte Fotomontage von Monteleone verschwand spurlos und ebenso alle anderen Kunstwerke an den Wänden. Das „Parakultural“ musste sich eine neue Bleibe suchen und kam nach kurzer Zeit im Salón Marabu unter, in der Calle Maipú 365 im Zentrum der Stadt. Dort findet diese Milonga seitdem zweimal wöchentlich statt, am Dienstag und Freitag Abend, so spät wie eh und je, beginnend um 22.30 Uhr.
Auch das Konzept der Milonga wurde beibehalten: Es gibt an jedem Abend ein Life-Orchester und ein oder zwei Tanzaufführungen von Paaren oder Gruppen – und alles für den unglaublich günstigen Eintrittspreis von aktuell 10.000 Pesos, also ca. 6 Euro (Stand: März 2026).
Aber der Umzug in den Salón Marabu ist der Milonga „Parakultural“ nicht gut bekommen: Trotz aller Bemühungen der Veranstalter (Omar und Horacio, dem DJ) ist es nicht mehr dieselbe Milonga; die magische Anziehungskraft von früher fehlt! Inzwischen ist diese Milonga an vielen Abenden nur zur Hälfte gefüllt, an vielen Tischen sitzen Touristen, die sich die Life-Aufführungen anschauen wollen und gar nicht tanzen, an vielen anderen sitzen Touristinnen mit ihren Taxitänzern oder Gruppen – ‚frei flottierende‘ Tänzerinnen und Tänzer gibt es kaum. Man ist also gut beraten, sich Tänzer mitzubringen, wenn man hierherkommt.
Nach meinem Eindruck hat diese Veränderung viel mit den räumlichen Gegebenheiten des Salón Marabú zu tun:
Mir gefällt dieser Ort nicht, auch wenn der Hausherr (Jesús) in seinen rhetorisch eindrucksvollen Begrüßungen des Publikums immer wieder betont, dass dieser Salon eine „emblematische Milonga“ von Buenos Aires sei, in der so berühmte Orchester wie Anibal Troilo im letzten Jahrhundert gespielt hätten. Das mag alles sein, aber Fakt ist eben auch: Die Tanzfläche hier (mit übrigens sehr gutem Parkettfußboden!) ist nur halb so groß wie im Salón Canning, und sie ist umgeben von vielen gigantisch dicken Säulen, die vermutlich das Gebäude tragen und eine große optische Behinderung darstellen. (Der Salón Marabu befindet sich im Untergeschoss des Gebäudes.) Der ganze Saal ist dunkel, die dominierende Farbe ist schwarz, und der Raum ‚zerfällt‘ in zwei Hälften, die nur durch einen schmalen Durchgang vor der Tanzfläche miteinander verbunden sind. Es gibt keine Dynamik zwischen den beiden Räumen rund um die Tanzfläche, man sitzt also entweder links oder rechts der Tanzfläche, an der Stirnseite befindet sich die Bühne, an der anderen Seite der Zugang zum Saal, dazwischen keine Dynamik. Hinzu kommt: der Saal ist grässlich heruntergekühlt durch viel zu starke Klimaanlagen: man nehme sich also unbedingt eine Jacke mit. Aber diese Kälte trägt natürlich nicht zu einem allgemeinen Wohlbefinden bei … Der Service der Bar ist leider auch eher schlecht, man wartet gelegentlich lange, bis man endlich bedient wird. Alles nicht dazu angetan, dass ich gern dorthin gehe!
Am Dienstag der vergangenen Woche war ich nach langer Zeit mal wieder dort: Es spielten „La Juan d’Arienzo“ und es gab den Auftritt einer großen Tanzformation, der „Compañia Titanes del Escenario“, und diese Gruppe war wirklich großartig!
Der Saal war halbwegs gefüllt, das Tanzniveau vor allem am frühen Abend sehr durchwachsen, später dann – als die Profis noch einige Runden tanzten – eine Augenweide. Ich hatte mit einigen Freundinnen einen Tisch an der Tanzfläche reserviert und einen Taxidancer mitgebracht; so hat sich dieser Abend für uns durchaus erfreulich gestaltet. Aber ich muss ehrlich sagen: In den Salón Marabu zieht mich nicht viel, und ich beklage nach wie vor aufrichtig, dass das „Parakultural“ dort stattfindet!
Omar Viola
+5 9 11 5738-3850
Milonga Details
Event Type
Traditional Milonga
Category PIA
IA
Accessibility
**
Age Group
40 - 70
Start time
10:30 pm
Duration
5,5 hours and one hour class before the Milonga (21.00 - 22.00)
Milonga Location
Maipú 365, C1006ACA Cdad. Autónoma de Buenos Aires, Argentina







