Milonga Review
Contact Agent
11 Feb 2025
Die Milonga „Gente Amiga“ geriet im Frühjahr 2025 in Schwierigkeiten, weil den Veranstaltern in ihrem langjährig angestammten Ort, dem Club Pedro Echagüe (im Stadtteil Flores), gekündigt worden war. (Ich habe das von Deutschland aus nur auf Facebook wahrgenommen.) Dort hatte die Milonga für viele Jahre an den Samstagabenden (von 22.30 bis 3 Uhr morgens) stattgefunden, und dort habe ich sie auch zum letzten Mal im Februar 2025 besucht. Im Laufe des Sommers fand sie dann eine neue Bleibe im für den Tango neu sich öffnenden ‚Salón Canning‘ im Stadtteil Palermo (ich habe darüber berichtet). Hier findet die „Gente Amiga“ nun an den Sonntagabenden statt, und inwiefern sie ihren Charakter durch den neuen Ort und den neuen Wochentag verändert hat, kann ich nicht beurteilen: denn ich war seitdem nicht wieder dort, und die Gründe dafür werden aus meinem Bericht vom Februar 2025 deutlich werden, den ich hier mit euch teilen will. Aber wie gesagt, vielleicht treffen meine Beobachtungen über die ‚alte‘ Gente Amiga auf die ‚neue‘ Milonga im Salón Canning ja nicht mehr zu – es ist also an euch, das herauszufinden! Diesbezügliche Kommentare von euch sind herzlich willkommen.
Mein Bericht vom Februar 2025:
Die Milonga mit dem verheißungsvollen Namen „freundliche Menschen“ (oder „nette Leute“) trägt diesen Namen nicht zu Recht: Wer erwartet, dort eine ‚social milonga‘ anzutreffen, in der man freundlich empfangen und in die community der milongueros aufgenommen wird, der wird bitter enttäuscht werden. Ich habe tatsächlich noch selten eine Milonga erlebt, in der man so konsequent ‚unter sich‘ blieb wie in dieser!
Nun gut: Es ist eine traditionelle Milonga in einem Außenbezirk von Buenos Aires (Flores) und ein Samstagabend, in dem Paare oder Freundesgruppen gemeinsam ausgehen, in der Milonga zunächst ausführlich speisen und später nur untereinander tanzen. Ich kenne das vom „Club Sunderland“ in alten Zeiten: Auch dort war es ratsam, wenn man am Samstagabend kam, entweder einen Tanzpartner oder Taxidancer mitzubringen oder mit einer Gruppe von Freunden zu kommen, mit denen man einen vergnüglichen Abend verleben konnte.
So ist es auch im „Gente Amiga“: Ähnlich wie früher der „Club Sunderland“ ist es ein „place to be” – hier dreht sich fast alles darum, zu sehen und gesehen zu werden. Der seit fast 100 Jahren existierende Club Pedro Echagüe ist ein typisches Sport- und Kulturzentrum des Stadtteils, in dem zahlreiche sportliche und kulturelle Aktivitäten stattfinden und am Rande eben auch eine Milonga am Samstagabend. Der Ort ist also – anders als die “eleganten Tango-Salons der Stadt” – nicht auf Tango ausgerichtet, was u.a. den Nachteil hat, dass das Licht grell ist und den Charme einer Turnhalle versprüht, und der Tanzboden ist selbstverständlich aus Stein, an Holzboden oder Parkett ist hier nicht zu denken, aber immerhin: man kann gut auf diesem Boden tanzen. Und noch ein Vorteil: Die Preise für Essen und Getränke sind äußerst moderat, wie es sich für einen populären Club gehört. Man kann hier für 14.000 Pesos ein 3-Gänge-Menü bestellen, und auch die Getränkepreise sind deutlich niedriger als in anderen Milongas. (Der Eintritt ist mit 6.000 Pesos – Stand Februar 2025 – dagegen eher am oberen Rand der aktuellen Milongas angesiedelt.)
Das Publikum dieser Milonga ist erstaunlich heterogen: Es gibt die älteren und sehr alten Paare oder Freundesgruppen aus dem Viertel ebenso wie viele jüngere, sehr gute Tänzerinnen und Tänzer, die professionell unterwegs sind, sich kennen und sich hier treffen und darstellen. Es ist, wie gesagt, ein „place to be“, ein angesagter Ort. Man kennt sich hier, es gibt sicher einen großen Anteil an Stammpublikum, und wenn man zu diesem ‚inner circle‘ gehört, mag das auch einigermaßen amüsant sein, sonst aber eher nicht. Ich habe selten eine Milonga erlebt, in der es so wenig ‚traffic‘ gibt – frau wird hier schlicht nicht aufgefordert, egal wie gut sie tanzt oder wie attraktiv sie ist, ein wirklich erstaunliches Phänomen! Ich habe viele Frauen gesehen, auch junge, hübsche, gute Tänzerinnen, die die meiste Zeit des Abends nur herumgesessen sind – man muss schon eine erstaunliche Leidensfähigkeit mitbringen, um sich so etwas anzutun!
Mit anderen Worten: Diese „places to be“ sind meist nicht die Orte, an denen man oder frau einen vergnüglichen Abend verbringen wird. Die Milonga „Gente Amiga“ ist ganz klar ein Ort, an dem man seinen Tanzpartner mitbringt oder in einer Gruppe von Freunden kommt, um einen vergnügten Abend in der eigenen Gruppe zu verbringen – oder man meidet diesen Ort lieber. Da ich schon einige Male dort war, wusste ich dies und hatte mich nur dafür entschieden, dorthin zu gehen, weil meine Freundin Gina und ich eine Verabredung mit unserem liebsten Taxidancer Cristian Trinidad hatten: Wir haben dann zu dritt einen vergnügten Abend dort verbracht, ich habe aber nur eine einzige Tanda mit einem anderen Mann getanzt; das ist normal dort.
Die Gastgeber kennen ihr Stammpublikum und behandeln es sicherlich aufmerksam und respektvoll, aber uns als ‚Neuen‘ wurde wenig Aufmerksamkeit gewidmet – man hat es dort offenbar nicht nötig. Mein Fazit also: Es ist eine Milonga, in die man / frau als Touristin nicht gehen muss – es gibt erfreulichere Orte zum Tangotanzen in Buenos Aires!
José Luis Ferraro
+54 9 11 3671-8359
Milonga Details
Event Type
Traditional Milonga
Category PIA
IA
Accessibility
*
Age Group
40+
Start time
9:30 pm
Duration
5,5 hours and 1,5 hours class before the Milonga
Milonga Location
Av. Raúl Scalabrini Ortiz 1331, C1414 Cdad. Autónoma de Buenos Aires, Argentina



